Buron Foto Portfolio
 
Wenn das Auge
nichts sieht, kommt das Herz
nicht in Aufruhr. (aus Haiti)
 

Das Extra


Diese Seite ist einer anderen Leidenschaft gewidmet, der ich allerdings seit etlichen Jahren nur noch mit der Kamera oder gelegentlich als Treiberin fröne: die Jagd. Im Prinzip nicht mal nur ihr, sondern der Natur an sich, und dazu zählt auch jagen gehen.

Mein anfängliches Jagd- und Jägerbild hatten Leute geprägt, die ich aus späterer Erfahrung heraus zu "den echten Jägern " zähle. Jäger aus Leidenschaft zur Natur, zu der die Beute einfach dazu gehört. Sie waren Personen, deren Sichtweise und Umgang mit der Natur eine war, die ich später an mir selber feststellte: sensitiver. Ich schreibe 'war', weil es diese Menschen nicht mehr gibt. Sie sind – zwei viel zu früh- bereits verstorben. Daher ist diese Seite ein Nachdenken, Würdigung, Andenken und Rückerinnerung in einem.

Der Sinn der Natur ist für nicht wenige reiner Selbstzweck. Wenn es ein paar Tage im Sommer regnet wird gemeckert. Falls Löcher in den bequemen Wanderwegen sind auch. Sie wünschen „aufgeräumte“ Wälder, dass die Bäume die Aussicht nicht zuwachsen, Tiere zum reinen Erfreuen... man könnte es fortsetzen. Etliche meinen, der Wald und die Wiesen seien allein für sie da und besäßen ansonsten keine "Existenzberechtigung". Wieder andere meinen, dass die Natur generell ohne sie nicht bestehen könne. Oh doch, und wie zeigt sie immer wieder. Nur halt nicht so, wie wir es gerne hätten und brauchen. Dass Teile von ihr durch unsere Schuld verschwinden, ist wieder etwas anderes.
Und Jäger? Es gibt gute - aber eben auch jene aus Männlichkeitswahn, Prestige und Machtausübung, denen die Knarre in der Hand scheinbar Allmachtsgefühle verleiht, was sie dann auch anderweitig nach außen tragen. Ein sehr buntes Volk... und bunt gemischte Motive zu jagen.

Ich betrachte die Natur nicht als "etwas neben mir". Dort sie - da ich. Ich gehöre dazu, als Stecknadelpieks, wenn überhaupt. Aber ich gehöre dazu. Sie verlangt mir genau darum auch einiges ab, und das empfinde ich als schöne Herausforderung. In unseren Breiten ist sie mild und gnädig - noch. Ich habe großen Respekt vor diesem komplizierten Gefüge und manchmal sogar ein bisschen Angst. Ein starker Puster, ein Blitz oder Wasserschwall und mich gibt es nicht mehr. Sturm, Hagel oder Trockenheit und ich hätte - eigentlich - meine Lebensgrundlage verloren. Ich freue mich jedes Mal, wenn sie mir doch wieder vor dem Winter genug Holz zum Wärmen gibt oder eine gute Ernte im Keller liegt. Und genauso toll war es, mit Geduld und Wissen Wild zur Strecke zu bringen und im Gefrierschrank Fleisch auf Vorrat zu haben. Ich finde "die Natur" faszinierend wenn es schneit, stürmt oder regnet. Einfach, weil sie funktioniert, wie sie ist.

                                                                                                                                                                                                              Werner und mein erster Rotspießer

Mein erster Lehrer, zudem für 13 Jahre (bis zu seinem zu frühen Tod 1997) bester Freund, war Oberförster gewesen. Werner besaß eine überregional anerkannt hohe Fachkenntnis nicht nur als Förster, sondern auch in der Jagd und Wildbiologie. Er war ein kluger, ausgeglichener, empathischer, aufmerksamer und starker Typ, einfach ein toller Mensch. Der Zufall ließ unsere Wege sich kreuzen. Ich hatte auf einem meiner vielen neugierigen Pirschgänge einen verendeten Hirsch gefunden. Darum suchte ich den zuständigen Förster auf, und das war er. Ich bekam von ihm viel Literatur, Anleitung, meine zahllosen Fragen beantwortet... und etwas später die Empfehlung, Jägerin zu werden. Und so ging ich es 1985 an. Zunächst als "inoffizieller" Lehrling bei ihm, ab 1988 parallel und bis zur Wende als "offizieller" in einem weiteren Revier und bei einem weiteren Jagdlehrer. In der DDR war mir leider der Weg zur Schusswaffe und somit Jägerprüfung versperrt gewesen.                      

Schön war diese Zeit als Eleve dennoch  gewesen.   

Das "Grüne Abitur" legte ich daher erst 1990 an der Jagdschule Zollgrün ab. Auch meine Jungjägerjahre ab 1990 waren herrlich. Ich ging mit ihm gemeinsam in seinem Revier jagen. Parallel hierzu verlebte ich bis 1992 schöne Lehr- und Jungjägerzeiten im Revier des zweiten Jagdfreundes und -lehrers.

          Mein erster Starker

Er war sehr stolz auf mich, als im Anschluss an die bestandene Prüfung die Jagd zum Bestandteil meiner beruflichen Tätigkeit wurde. Erst recht, als ich zusätzlich ehrenamtlich als Mitglied der Thüringer Jägerprüfungskommision sieben Jahre lang die Neuen in einigen Bereichen "unter die Lupe nahm". Werner selbst wurde übrigens scherzhaft der "Thüringer Rotwildpapst" genannt. Ihm konnte als gestandener Förster und Jäger halt keiner etwas vormachen.

Nach seinem Tod veränderte sich für mich vieles. Ich bemerkte, wie die Mehrzahl der Jäger ist. Mir waren eben anfangs die positiven Ausnahmen begegnet. Bis dahin hatte mich mein Freund abgeschirmt und davor bewahrt. Ich hatte ja auch immer ihn vor Augen und war auf das Folgende leider nicht vorbereitet - und das waren Neid, Missgunst, Dummheit und Boshaftigkeit unter denen, die eigentlich Gleichgesinnte hätten sein sollen. Wie allgemein, so wollte ich dann auch in der Jagd mit solchen Leuten nichts mehr zu tun haben. Ich jagte noch drei Jahre nach Werners plötzlichem Tod auch in seinem vormaligen Revier, oft mit Wehmut über den menschlichen Verlust. Es erinnerte zu vieles an die Zeiten mit ihm als Freund und einer "anderen Jagd". Zuvor versuchte ich es bei drei weiteren Jagdherren und Revieren. Ich verließ sie freiwillig. Bei ihnen erlebte ich das Erlegen von Böcken während der Schonzeit, Schüsse in den Spiegel, Nachtansitze mit Hilfe von starken Taschenlampen, Schützen, die nie eine Jägerprüfung abgelegt hatten, Massenfütterung zwecks Töten... Das hatte nichts mit Naturerlebnis oder eigenem Können zu tun. Es war Jagen, wie ich es weder kannte noch wollte, aber eine Form, der ich leider immer häufiger begegnete. "Meine Jagd" wurde somit für mich in rasanter Geschwindigkeit zur Nostalgie.

Und noch etwas hatte ich durch Werner begriffen: Zeit heilt keine menschlichen Verluste. Sie macht sie nur etwas erträglicher.

 

Jagen in Schottland

Ein neuer Zufall brachte mir ab 1999 Schottland, wo ich durch einen weiteren guten Freund nicht nur die mir entsprechende

Jagdmöglichkeit erhielt, sondern echte Gastfreundschaft und Fairness genießen durfte.

Die dort noch vorhandene ursprünglichere Jagd ohne Hetze auf große Trophäen oder Neid untereinander habe ich geschätzt. Sie rückte vieles wieder gerade. In Schottlands Hills war die Jagd ein wirkliches Zusammenspiel mit der Natur. Dort ist es wieder so gewesen, wie ich es durch Werner kennengelernt hatte. In Schottland zu jagen bedeutete gute Kenntnis der Gegebenheiten, Achtsamkeit, sich viel bewegen, weit pirschen, enorme Geduld und am Ende gar bäuchlings durch die Heidebüsche (und Modder) kriechen. Das Wetter ist rauh in Schottlands Weiten. Die Menschen sind alles andere als verwöhnt. Ihr Leben ist einfacher, direkter. Mein Freund war Deutscher und hatte sich dieses Land genau deshalb als neue Heimat gewählt. "Bodenständigkeit" ist es nicht allein, man muss auch Herausforderungen lieben.

Ansitzen, und das auch noch so bequem wie möglich, gab es daher freilich nicht. Nach dem Erlegen waren es dann auch nicht nur mal hundert Meter bis zum Auto... In Schottland ist man nie auf sich allein gestellt. Dort konnte ich Erlebnisse und Jagdfreude teilen. Mit Max und einigen Schotten gab es lustige und schöne Schüsseltreiben bei bestem Whisky. Es war "nüchterne Praxis" ohne verklärende Geschichten drumherum. Ich durfte wieder fühlen, welche Achtung vor "dem da draußen" existierte.

An vielen seiner Jagdgäste verzweifelte allerdings auch Max mit wachsender Häufigkeit, resignierte immer mehr und wurde sogar verbittert. Seine Gäste waren häufig das, vor dem ich in Deutschland jagdlich geflüchtet war. Und er konnte diese Entwicklung nicht begreifen, akzeptieren schon mal gar nicht. Der Widerspruch zwischen Jagd als Geschäft - und eigenen Idealen.

Den Rhythmus einer vollen Jagdwoche habe ich allerdings nie durchgehalten, denn das bedeutete zur Bockzeit um drei bis vier Uhr (freilich morgens) raus aus den Federn, erst am Mittag wieder im Cottage eintreffen, rasch etwas essen, noch rascher schlafen und wieder hinaus bis oft gegen Mitternacht. Dort oben im Norden wurde es im Sommer einfach nicht völlig dunkel. Da habe ich doch ganz gerne mal gekniffen und auf einige der Pirschgänge verzichtet. In Schottland gab es ja auch so viel anderes zu bestaunen.

Am 9. Dezember 2008 verstarb leider auch mein Jagdfreund Max nach längerer Krankheit. Damit gehörte diese bodenständige Form der Jagd für mich endgültig der Vergangenheit an. Ich werde den Bezug dazu natürlich nie verlieren. Sie war aber an bestimmte Menschen gebunden, und die gibt es nicht mehr. Nur noch wenige Ausnahmen, bei denen ich mich immer wieder freue, wenn ich ihnen doch mal begegne. Es hat eben alles seine Zeit...

In meiner Schottland-Webseite ist übrigens noch ein wenig mehr über Natur, Jagd und Erinnerungen an Max enthalten.


Neundorfer Zeit

Im Mai 2009 verstarb in hohem Alter mein Jagdlehrer Günter A. Ihm war ich zu DDR-Zeiten als Lehrling "offiziell zugewiesen" worden, wie ich bereits weiter oben schilderte. Von ihm bekam ich das erste Mal eine Jagdwaffe in die Hand gedrückt (ein Drilling), erlegte das erste Stück Wild (einen Fuchs), brach die erste Sau auf, baute die ersten Ansitzleitern und Kanzeln, machte insgesamt meine ersten "offiziellen" jagdpraktischen Schritte. Einer der drei Jäger von altem Schrot und Korn, von denen ich lernte, was Jagen und  Naturliebe heißt: auch mich selbst nicht so wichtig zu nehmen.

 

 

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Auch heute gehe ich noch gerne mit auf Ansitz, um Fotos zu machen oder die Stimmung zu genießen. An Drückjagden nehme ich ebenfalls gerne teil, schon damit mein Rauhaardackel seine Freude hat. Damals hatte ich es nicht erwarten können, den "leidigen Pflicht-Treiberjob" endlich loszuwerden und mit der Waffe jagen zu dürfen. Heute macht es mir sehr viel Spaß, mit meinem Hund querfeldein durch das Holz oder Gebüsch zu laufen und dem Wild auf diese Weise nahe bzw. auf der Fährte zu sein.  "Meine Jagd" ist, eventuell ein gutes Bild zu schießen. Das Rottier im Abspringen, die Sau gar...  alles andere als einfach. Aber irgendwie empfinde ich mich dort auch als passender. Ich sitze nicht und warte, dass andere eine gute Arbeit tun. Ich darf mich bewegen. Ich muss selber schauen, auf mein Empfinden lauschen. Und unter den Jägern, die ich hier bisher traf, bin ich sogar recht gerne. "Nur" als Treiberin ist es vielleicht auch noch etwas anderes. Und manchmal werde ich dann auch daran erinnert, was ich nicht haben möchte und worauf ich sogar gerne verzichte.

 


Zitat: Wahre Freunde verlassen dich erst, wenn es brenzlig wird.

Flämische Weisheit

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